19
11
2006
19:13
Eigentlich wollte ich den Testbericht schon früher veröffentlichen, aber ich kam dann doch noch nicht zum Inhalt schreiben. Jetzt habe ich es aber endlich einmal geschafft.
Über die Hardware, sprich: über das M-Audio Conectiv, möchte ich eigentlich gar nicht viel sagen, da es nichts daran auszusetzen gibt. Die Klangqualität der Hardware ist subjektiv gesehen sehr gut. Objektiv kann ich das Dank fehlendem Mess-Equipment allerdings nicht selber genau beurteilen, aber dafür gibt es im Internet schon genug andere (private) Webseiten, die mit entsprechenden eigenen Nachmessungen aufwarten. Gegen die verwendeten Timecode-Vinyls bzw. -CDs kann man auch nichts sagen. Es wird das Ms Pinky Verfahren verwendet.
Jetzt aber zum eigentlich Teil des Testberichtes: Torq.
Eigentlich hätte ich gedacht, dass Version 1.00 nicht wirklich stabil und schnell ist und viele Kinderkrankheiten mit sich bringen würde und dafür umso weniger Features. Aber das stimmt absolut nicht. Es gibt zwar schon ein Update für Torq auf Version 1.01, welches auch einige kleine Bugs behebt, aber große Schnitzer gibt es bislang nicht zu beheben.
Das soll allerdings nicht bedeuten, dass ich nicht schon eine eigene Wunschliste für die nächste Version von Torq hätte. Einige Features, die ich mir noch wünsche, sind sicherlich schon bei der Konkurrenz Native Instruments & Stanton schon zu finden, aber es sollte kein Problem darstellen die meisten von ihnen zu integrieren.
Was z.B. fehlt, ist ein 4 Band-EQ und eine Beschreibung dazu, wie und wo der EQ eingreift (Frequenz und Q).
Abgesehen davon wäre eine Autogain-Funktion von Traktor DJ Studio 2/3 ebenfalls nicht verkehrt.
Vermissen tue ich auch eine Übersicht über die Zuweisung seiner MIDI-Controller und Tasten zu Funktionen im Programm sowie ein Speichern/Laden-Dialog. Es wird zwar automatisch behalten, aber wenn man einmal die Einstellungen sichern möchte oder auf einen anderen PC übertragen will, dann klappt das zumindest nicht auf eine ganz einfache Tour (oder ich war blind).
Was nicht besonders schlimm ist, aber dennoch toll, wenn die Funktion des Audio-Streamings (z.B. SHOUTcast) vorhanden wäre, so dass Zuhörer aus dem Netz teil daran haben könnten ohne auf weitere Software setzen zu müssen. Natürlich kann das durchaus auch Probleme mit der GEMA hervorrufen, aber das Benutzen der Funktion bleibt ja jedem selbst überlassen.
Leider läßt sich der interne Mixer von Torq nicht ausblenden. Ausblenden läßt sich bei Torq zwar auch recht viel, aber noch nicht so umfangreich wie beim Traktor DJ Studio. Wer nämlich einen externen DJ-Mixer benutzt, der verzichtet aller Wahrscheinlichkeit nach völlig auf den internen Mixer, obwohl sich natürlich der Einsatz beider kombinieren ließe. Ob das natürlich eine gute Idee ist, sei dahin gestellt. Zumindest könnte man durch das Ausblenden des internen Mixers viel Platz für die Datenbank-Ansicht schaffen.
Punch-In Buttons für die zwei Decks fehlen leider auch. Das ein Hamster-Switch ebenfalls nicht in Software realisiert wurde, muss man zwar dazu sagen, aber solche Dinge lassen sich mit dem Einsatz eines externen Mixers leicht beheben. Aber vielleicht wird das ja auch noch von den Entwicklern nachgerüstet.
Einige Effekte, die man mit Resonanz versehen könnte, wie z.B. die Filter, haben leider keinen Resonanz-Regler spendiert bekommen.
Die Loop-Funktionen sind leider auch noch nicht so ausgefeilt wie sie im Traktor DJ Studio bereits vorliegen (Loop verschieben, Start-Punkt verschieben, etc.), aber man kann sie dennoch viel cooler benutzen.
Ein ganz essentielles, aber problemlos nachrüstbares Features, fehlt Torq: Sperrung gegen das Song laden. Soll heißen: wenn ein Song bereits in bspw. Deck A läuft, dann sollte es nicht möglich sein, solange der Song läuft einen neuen in das gleiche Deck zu laden, so dass dann nach kurzer Pause der neue Song abgespielt wird. Wer aus Versehen einen Song in das falsche Deck lädt, der bekommt bei seiner Performance ein Problem.
Das Conectiv wird ja über einen USB-Port (Version 1.1 reicht dankenswerter Weise aus) an den PC angeschlossen. Es lässt sich so wie unter Windows üblich allerdings so nur an einem Port betreiben. Im Gegensatz zum Macintosh muss man unter Windows USB-Geräte für jeden USB-Port erneut installieren. Das ist ziemlich blöd, aber dies ist nicht das Problem von M-Audio und man kann diese Tatsache auch gut verschmerzen, aber leider bindet sich Torq an den USB-Port, der bei dem ersten Start von Torq benutzt wurde. So bleibt die Benutzung eines anderen Ports im Nachhinein vergeblich. Vielleicht lässt sich das in der Registry oder sonst in einer Datei einfach verändern, aber optimal für den "Nur"-DJ und "Nicht"-PC-Freak ist das sicher nicht.
Was allerdings prima ist, ist die Stabilität, die Torq unter Windows XP bietet. Microsoft wird hier ja gerne gescholten, aber Windows XP läuft hier stabil. Und Torq tut sein übriges dazu. Dank ASIO-Treiber erreicht das System selbst fast auf dem Niveau der Mindestanforderung niedrige Latenz und schnelle Sound-Modifikationen ohne Artefakte zu bilden. Wenn man die Mindestanforderung etwas unterschreitet, dann dauert die Analyse der Songs sehr lange. Vor allem beim Einladen von neuen Songs, während das System gerade einen anderen Song abspielt, kommt es hier zu grafischen Hängern und steuern lässt sich so das System weder per Maus, Tastatur noch MIDI-Controller. Aber der Sound bricht nicht ab - wenigstens wird so das Publikum weiter auf Trab gehalten. Dennoch kommt man selbst mit alter Hardware hier sehr weit, da bei 1,2 Ghz und 480 MB RAM immer noch zwei Songs, sechs interne Effekte und ein MIDI-Controller werkeln können, ohne dass es zu Aussetzern kommt.
Von daher sicherlich auch ein starker Konkurrent gegenüber Rane mit Serato Scratch Live.
Möglicherweise habe ich einige Bugs und andere (positive) Besonderheiten von Torq vergessen zu erwähnen, die nicht so landläufig bekannt sind, wie z.B. der "Absolute Mode", "ReWire" und "VST-Plugins", aber hier kommt in Zukunft vielleicht noch eine Erweiterung des Artikels, da alleine das Handbuch ja schon mehr Zeilen für die Standardinformationen braucht als mein Eintrag. Dieses gibt es momentan in nur englischer Sprache auf der Webseite von M-Audio neben dem Handbuch von Conectiv herunterzuladen, was ich als Studium vor dem Einsatz zwar nicht zwingend empfehlen würde, aber was die Nutzung des Samplers, etc. betrifft, ist es sicherlich nicht verkehrt, wenn man ein paar wenige Seiten darüber nachliest.
Wer Fragen hat, darf mich gerne dazu konsultieren.
Update: Was ich fast vergessen habe zu sagen, ist die Tatsache, dass man eigentlich mit Torq keine Kopfhörer mehr braucht. Natürlich ist das etwas überspitzt gesagt, aber Dank der parallelen Wellenform-Darstellung beider Tracks untereinander mit Beat- bzw. Takt-Raster ist das Pitch-Bending eigentlich problemlos gehörlos durchzuführen. Okay, so etwas will man ja eigentlich nicht, aber es würde funktionieren. Wer dem BPM-Erkennungsalgorithmus vertraut, der kann auch die Synchronisierung des Tempos automatisch erledigen lassen. Ja, auch das will man ja eigentlich nicht als echter DJ. Aber cool zu sehen ist es dennoch. Eigentlich kann man dem Algorithmus auch recht weit vertrauen. Wenn er sich mal bei Hardtechno verhaspelt, dann reicht meist ein Verdopplung des Tempos aus (in Torq ein Tastendruck) und dann stimmt es. Wer aber über gut über 155 BPM geht, der wird mit der Erkennung, wie auch sonst überall, seine Probleme bekommen. Aber wozu hat man denn Ohren ?
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