UMTS - Mehr Fluch als Segen

16 04 2007 01:20
Ein Bekannter von mir hat sich einen neuen Job in Konstanz besorgt. Vorübergehend wohnt er allerdings noch in einer Ferienwohnung, wo er allerdings überhaupt keinen Telefon- und Internet-Anschluss hat, diesen aber dringend benötigt.

Als Besitzer eines Handys und einer Sprach-Flatrate dazu, ist das Problem des fehlenden Telefon-Anschlusses kein Problem. Aber Zugriff aufs Internet ist fast noch dringender und fehlt.

Also bleibt nur der Weg über das Stromnetz oder per Handy. Über Strom scheidet allerdings in Konstanz mangels Angebote aus. Satelliten-Schüsseln erfordern bislang noch einen Upstream per Telefonleitung, welche nicht nur deswegen ebenfalls wieder aus dem Rahmen des Möglichen fallen. Auch WiMAX ist nicht verfügbar. Leider besteht von der Ferienwohnung aus auch keine Möglichkeit auf irgendeinen Hotspot der T-Com zuzugreifen. Auch fremde WLANs sind nicht in Reichweite für 0815-WLAN-Hardware. Selbst wenn man sich also mit dem Besitzer des WLANs irgendwie verständigen könnte bzgl. einer Mitbenutzung von einigen Wochen, es ist keins in der Nähe.

Also bleibt tatsächlich nur das Handy mit GPRS oder UMTS. GPRS ist super langsam. In der Praxis fällt GPRS weit unter das Niveau von 56K-Modems - dies wäre er sogar noch gewöhnt gewesen.
Letztendlich sind wir auch wieder bei GPRS gelandet, obwohl es erst UMTS werden sollte.

Nachdem es zuerst ein etwas schnellerer Internet-Zugang sein sollte, wurde extra UMTS-Hardware in Form einer PCMCIA-Steckkarte (Cardbus) für einen Laptop gekauft, da das vorhandene Handy nicht UMTS-fähig ist.

Zusätzlich zur Hardware musste auch ein entsprechender Vertrag für den UMTS-Zugang gesucht werden. Möglichst als Flatrate und das mit einer sehr geringen Mindestlaufzeit (ca. drei Monate). Da es dafür so gut wie überhaupt keinen Markt im Moment noch gibt, fiel letztendlich die Wahl auf den Netzbetreiber O2.

Ich erhielt kurz nach Eingang der Hardware von ihm einen Anruf, der ein ca. vierstündiges Gespräch über UMTS-Hardware werden sollte. Er hatte am Abend zuvor schon viele Stunden mit der Installation der Treiber der PCMCIA-Steckkarte namens Novatel Merlin U530 unter Microsoft Windows XP erfolglos verbracht. Nach einer kurzen Klärung, was bislang alles ausprobiert wurde, war es dann recht schnell klar, dass man mit Windows Bordmitteln nicht unbedingt weiterkommen würde.

Zunächst empfahl ich einmal eine Knoppix-CD neueren Datums auszuprobieren und zu schauen, ob die Karte von eBay überhaupt vollständig in Ordnung ist. (Ich hatte selber eine WLAN-PCMCIA-Steckkarte, welche nicht mehr anständig ihre Arbeit verrichten wollte. Ist mir zu oft heruntergefallen. Aber deswegen versagt nicht gleich die ganze Hardware, sondern man wundert sich nur ab und zu über Transferprobleme.)

Nachdem eine Knoppix-CD gefunden wurde (Knoppix 5.05 - nicht ganz aktuell, aber gut genug), sollte es an die Standard-Prozedur zur Informationsfindung gehen.

Kommandos wie:

lspci
cat /var/log/messages
dmesg

... brachten nicht wirklich besondere Dinge zu Tage, die auf eine kaputte Steckkarte hätten schließen lassen, wie z.B. folgende Zeile:

pccard: PCMCIA card inserted into slot 0
pcmcia: registering new device pcmcia0.0

(Man hört recht viel von Problemen von UMTS in Verbindung mit PCMCIA-Steckkarten, welche über PCMCIA-PCI-Adapter in einen normalen Desktop-PC verfrachtet werden. Meistens funktionieren dann aber die Steckkarten problemlos, wenn man sie in einem Laptop ohne diesen Adapter ausprobiert. Also genau andersherum wie hier.)

Das Kommando

cardctl status

... zeigte auch ein auf den Betrieb wartende Steckkarte an. Jetzt sollte es zur Identifizierung der Steckkarte mit

cardctl info

... kommen. Eigentlich müssten jetzt mindestens die folgende Zeilen als Ausgabe erscheinen, wenn alles ok wäre:

PRODID_1="Novatel Wireless"
PRODID_2="Merlin UMTS Modem"
PRODID_3="U530"

Die Zeilen kamen auch, bloß waren die Strings alle leer. Die Manufactur-ID (MANFID) sowie die FUNCID enthielten ein paar Zahlen, die eher auch nicht nach den Zahlen aussahen, die man als üblich erachten würde. Also vielleicht nicht gerade so Zahlen mit allen gesetzten oder rein gar keinen gesetzten Bits. ;-)

Nachdem sich die Steckkarte durch entsprechende Kommandos von cardctl und dem mehrmaligen Aus- und wieder Einstecken zum Arbeiten überreden konnte und zu keiner Zeit irgendein serielles Device (ttyS?) registriert wurde, wollte ich die PCMCIA-Steckplätze einmal überprüfen, da die bislang noch nie eine andere Karte beherbergt hatten und somit seit dem Kauf des Laptops schon hinüber sein könnten
Leider war keine andere Hardware zum Austesten vorhanden, so dass wir nicht weiterkamen. Das ist auch heute noch der aktuelle Stand der Dinge bis auf die Tatsache, dass der Cardbus-Controller ein Texas Instruments PCIxx21/x515 ist. Dieser Controller scheint ein ganz berühmt berüchtigter Controller zu sein, was Probleme dieser Art betrifft.

Nachdem zu diesem Zeitpunkt kein Weiterkommen in Aussicht stand, aber der Internet-Zugang dringend gebraucht wurde, sollte wenigstens die Verbindung über GPRS funktionieren, wozu dann das Handy, ein Nokia 6310i (ja, die Firmware ist noch ungepatcht und das Auslesen des Telefonbuches ohne Pairing funktioniert via BlueSnarf prima ;-) ), benutzt werden sollte.

Da kein Kabel zum Anschluss des Handys vorhanden und auch kein Bluetooth in den Laptop integriert war, musste es die Infrarot-Schnittstelle werden, welche zuerst einmal im BIOS des Acer Laptops aktiviert werden musste. Die Verbindung zum Handy sollte per Infrarot auch fast nahtlos klappen. Von der Installation des Handys als Modem unter Windows XP gibt es nichts spektakuläres zu berichten.

Die Einwahl ins Internet klappte sofort ... nur leider ohne Datentransfer. Auf die Frage, ob der Rechner überhaupt eine IP-Adresse zugewiesen bekommen hatte via DHCP, wurde dies mit dem Kommando

ipconfig /all

... überprüft und bejaht. Ein Ping sollte als nächstes Aufschluss über die Erreichbarkeit von Google geben, welcher allerdings nur zu 100 % Paketverlust führte. (Irgendwie sind wir doch alle stark abhängig von Google geworden, wie mir so auffällt ...)
Ein Ping direkt an eine IP-Adresse ohne Namensauflösung funktionierte allerdings.

Somit war klar, dass aus welchem Grund auch immer nur keine IP-Adresse eines DNS-Servers übermittelt wurde. Nach mehrmaligem Reconnect funktionierte auch das problemlos.
Seitdem surft er mit um die drei bis vier Kilobyte / Sekunde im Internet. Aber dies ist er, wie eingangs bereits erwähnt, eigentlich gewöhnt. :-D


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